Wie lassen sich Montageprozesse bereits in der Konzeptphase objektiv bewerten – noch bevor reale Arbeitsplätze entstehen?
Vor dieser Herausforderung stand FESTO, als neue Produktionssysteme geplant und bestehende Montageprozesse überarbeitet wurden. Das Ziel war klar: Bewegungsabläufe nicht nur visuell zu planen, sondern bereits in frühen Phasen quantitativ zu bewerten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Für diesen Zweck setzte FESTO Halocline Professional in Kombination mit dem MTM Add-On & MTMmotion® ein.
Damit wurde es möglich, reale Arbeitsbewegungen in der virtuellen Umgebung zu erfassen, automatisch auszuwerten und Varianten anhand von MTM-Zeitwerten zu vergleichen – ganz ohne klassische Zeitaufnahmen. So konnte FESTO frühzeitig Optimierungspotenziale erkennen und Prozessvarianten sicher beurteilen.
FESTO plante neue Produktionssysteme und wollte schon in frühen Phasen Layouts und Prozessabläufe bewerten – nicht nur auf Basis von Raum, Ergonomie und Materialfluss, sondern auch mit Zeitkennwerten. In bisherigen Projekten war die Prozesszeitanalyse oft erst in späteren Phasen möglich, wenn aufwändige Zeitaufnahmen vorlagen oder Experten hinzugezogen wurden.
Die Ziele waren:
- Verschiedene Varianten nicht nur visuell, sondern zeitlich vergleichbar machen
- Engpässe und ineffiziente Bewegungsabläufe früh erkennen
- Entscheidungen bereits in Konzept-/Layoutphase auf datenbasierter Basis treffen
- Zusätzliche Aufwände der manuellen Zeitaufnahme vermeiden
Mit Halocline Professional und dem MTM Add-On konnte FESTO diese Ziele systematisch angehen.
Vorgehensweise
Schritt 1: Objekte vorbereiten und Nutzungstypen definieren
Bevor eine Prozessaufnahme startet, müssen die interaktiven Objekte so vorbereitet werden, dass Halocline ihre Bewegungen korrekt erkennt und klassifiziert.
FESTO begann deshalb mit der sorgfältigen Konfiguration der Objekte in der Desktop-Ansicht.
- Interaktive Objekte (Bauteile, Werkzeuge, Komponenten) werden im Modell markiert.
- Über das Kontextmenü erhält jedes Objekt eine Objekttyp-ID und eine Nutzungstyp-ID – z. B. „Werkstück greifen“ oder „Bauteil platzieren“.
- Falls relevant, wird das Gewicht des Objekts eingetragen, damit MTMmotion® Kraft- und Erholungsanteile berücksichtigen kann.
- Für automatisierte Vorgänge können feste Prozesszeiten hinterlegt werden, die eine manuelle Aufnahme ersetzen.
→ Mehr im Workflow: Layoutplanung – Arbeitsabläufe effizient gestalten
Schritt 2: Prozessablauf in VR aufnehmen (Halocline Performance)
Nach der Vorbereitung der Objekte wechselt FESTO in die virtuelle Umgebung, um reale Handlungsabläufe nachzustellen. Die aufgezeichneten Bewegungen bilden die Basis für die MTM-Analyse.
- FESTO nutzt den Performance-Modus, um die Prozessschritte in VR zu simulieren.
- Jede Interaktion mit einem Objekt wird per Trigger ausgelöst und protokolliert.
- Wird ein Objekt in ein anderes eingefügt, löst es sich automatisch; andere Aktionen erfordern bewusstes Ablegen.
- Alle Bewegungen und Interaktionsdaten werden gespeichert und mit den definierten Nutzungstypen verknüpft.
Dadurch entsteht eine präzise Motion-Aufzeichnung, die sämtliche Bewegungsfolgen und Handgriffe abbildet.
→ Mehr im Workflow: Layoutplanung – Arbeitsabläufe effizient gestalten
Schritt 3: Export und Upload ins Webportal
Sind alle Abläufe aufgezeichnet, werden die Daten in das MTMmotion®-Webportal überführt.
Hier erfolgt die eigentliche Auswertung nach MTM-Methodik.
- Im Replay-Fenster wird der Export über „Export → MTM“ gestartet.
- Halocline erstellt eine json-Datei, die im Benutzerverzeichnis gespeichert wird.
- Diese Datei lädt FESTO in das json-Webportal hoch.
- Dort wird das gewünschte MTM-System (z. B. MTM-UAS, MTM-HWD oder MTM-1) sowie die Zeiteinheit (TMU oder Sekunden) ausgewählt.
- Das Portal analysiert die Bewegungen, ordnet sie MTM-Bewegungscodes zu und erstellt eine strukturierte Zeitbewertung.
So erhält FESTO erstmals belastbare MTM-Zeiten für Prozessvarianten – bereits in der Konzeptphase.
→ Mehr im Workflow: MTM-Zeitauswertung schon in frühen Phasen nutzen
Schritt 4: Analyse, Vergleich und Optimierung
Mit den Ergebnissen aus der MTM-Auswertung startet die Optimierungsphase. FESTO kann nun Varianten vergleichen und gezielt anpassen, bevor physische Tests notwendig werden.
- Mehrere Varianten werden in VR simuliert, exportiert und jeweils analysiert.
- Die MTM-Zeitwerte zeigen, wo unnötige Wege, unergonomische Greifbewegungen oder zeitintensive Abläufe bestehen.
- Basierend auf diesen Erkenntnissen werden Layouts oder Bewegungsfolgen angepasst.
- Jede überarbeitete Variante wird erneut aufgezeichnet und bewertet, bis die effizienteste Lösung feststeht.
So entsteht ein transparenter, datenbasierter Verbesserungsprozess.
→ Mehr im Workflow: MTM-Zeitauswertung schon in frühen Phasen nutzen
Ergebnisse und Mehrwerte für FESTO
Durch den Einsatz von Halocline Professional und MTMmotion® konnte FESTO seine Prozessplanung deutlich verbessern und beschleunigen:
- Frühe, belastbare Zeitdaten bereits in Konzept- und Layoutphasen
- Objektiver Variantenvergleich auf Basis von MTM-Zeiten
- Erkennung von Engpässen und überflüssigen Bewegungen
- Reduzierte Planungszeiten durch direkte Simulation und Auswertung
- Fundierte Entscheidungen ohne zusätzliche Zeitstudien
- Nahtlose Integration in den bestehenden Halocline-Planungsprozess
Fazit
Der Fall FESTO zeigt, wie Halocline Professional mit MTM AddOn den Übergang von der visuellen Planung zur quantitativen Prozessbewertung ermöglicht. Durch die Kombination aus VR-Simulation und MTM-Analyse entstehen schon in frühen Phasen valide Zeitdaten, mit denen Varianten objektiv verglichen und Prozesse gezielt optimiert werden können.
So wird aus einer klassischen Layoutplanung ein datengetriebener, effizienter und nachvollziehbarer Planungsprozess – validiert durch MTMmotion®.